Am Sonntag, den 22. Oktober 2000, unternahm die Tako-ryu-Bushido Organisation e.V. mit fast allen aktiven und passiven Mitgliedern der Dojo Limburgerhof und Bad Dürkheim eine Exkursion nach Heidelberg, um dort im Naturkundemuseum eine Ausstellung über japanische Kultur und Geschichte zu besuchen. Frohgestimmt erreichten etwa 30 sehr junge und auch ältere Bushidoka, manche mitsamt elterlichem Anhang, das stilvoll eingerichtete Heidelberger Museum. Aufgrund der Menge der Besucher musste die Gruppe getrennt werden, weil sonst eine Führung zu unruhig geworden wäre. Die Führung begann mit einem Filmvortrag über den japanischen Schmiedemeister, der zur Betreuung der im Museum befindlichen Schwerter (allesamt alte, seltene Klingen von fast unschätzbarem Wert). Man erklärte die Komplexität der Schwertpflege und den unglaublichen Vorgang des Schwertpolierens. Die Führung leitete ein Deutscher, der von dem japanischen Meister in jahrelanger Ausbildung gelehrt worden war, die Schwerter instand zu halten, jedoch nicht mehr. Er zeigte den gebannten Zuschauern die Einzelteile, aus denen die Schwerter zusammengesetzt sind und erstaunte durch die rituellen Bewegungen und Vorgänge, die für die Pflege der Schwerter notwendig sind. Der zweite Programmpunkt war eine Führung durch die Ausstellung im Erdgeschoss, deren Inhalte von weiteren Prunkschwertern, über zeremonielle Gegenstände bis zu einer kompletten Samurairüstung führten.
Auch hier erstaunten wieder kostbarste Schätze die Besucher, seien es nun unbezahlbare Katana oder ebenso kunst- und fast so
wertvolle Tsuba (Handschutz des Schwertes). Auch waren kostbare Schriftrollen und Malereien zu bewundern, die das Leben im japanischen
Mittelalter beschrieben, seien es nun blutige Schlachten zwischen Samurais oder eine Ratssitzung der Herrschenden. Die Kunstfertigkeit
der japanischen Künstler lässt wohl ebenso großes Staunen zu, wie die legendäre Kampfkraft der Samurai und die uns
schon fast unheimlichen Fähigkeiten der Ninja, mit dem Unterschied, dass vieles, was wir über diese Kämpfer zu wissen
glauben, durch Legenden und Filme verwässert und glorifiziert wurde; doch die Kunstwerke der japanischen Schreiber lassen sich
auch heute noch mit eigenen Augen bestaunen. Erläuterungen über japanische Schauspielkunst und Traditionen wie die
Teezeremonie beschlossen einen interessanten Museumsbesuch, der wohl für alle Mitglieder neue Erfahrungen gebracht hat,
und uns allen ein wenig winzig erscheinen ließ, wenn man jetzt unsere relativ barbarische Geschichte mit den Errungenschaften
des asiatischen Raums verglich, der schon viel früher Hochkulturen ausgebildet hatte, wo in Europa noch vieleMenschen mit ihren
Haus- und Nutztieren zusammen lebten und selbst die Reichen und Mächtigen in zugigen und dunklen Burgen und Festungensaßen. Diese Erfahrung hat uns vielleicht ein bisschen gelehrt, nicht allzu herablassend auf andere Kulturen wie z.B. die
chinesische herabzusehen, nur weil diese im Moment auf einem relativen Tiefpunkt angekommen ist (vom gesellschaftlichen Gesamtbild her gesehen). Mit diesen neuen Impressionen verließen die Mitglieder der TRBO wieder Heidelberg, um sich erneut ihrem westlichen Leben zuzuwenden, doch hat sich wohl doch einiges in der Denkweise einiger geändert, oder zumindest ist einiges an Respekt gewachsen. |