Messerscharf und voll ausgebucht fand am Samstag, den 12. Februar 2011 der erste Ausbilderintensiv-Lehrgang im Dojo Ettlingen statt . . .
Pünktlich um 10.00 Uhr fanden sich alle Ausbilder des Tatsu-Ryu-Bushido und jene, die es in Zukunft werden wollen, im Dojo Ettlingen ein. Auch wenn jeder Lehrgang auf seine Weise individuell gestaltet ist, so hob sich dieser doch deutlich von den anderen ab. Zunächst sollte sich jeder in 3 Minuten selbstständig aufwärmen, was wegen der kurzen Zeit intensiv, schnell und mit vollem Einsatz jedes Einzelnen geschah. Im Vordergrund des Lehrgangs stand nicht zu erlernen geschickt mit einem Messer umzugehen, sondern einen realen Eindruck zu bekommen, was ein Messerangriff darstellt, und auch welche Verantwortung man selbst im Umgang mit einem Messer trägt.
Denn obwohl jeder täglich ein Messer in der Hand hält, war keinem die Gnadenlosigkeit dieser Waffe bewusst. Erst als uns einige Bilder von Schnittwunden vorgelegt wurden bekamen wir einen Eindruck davon, was es bedeutet, wenn eine Klinge gezogen wird.
Nachdem in realem Tempo und mit Kraft eins gegen eins gekämpft wurde, wobei ein Filz-Marker das Messer simulierte, konnte man auf den zuvor weißen T-Shirts erkennen, dass es nahezu unmöglich ist aus einem Messerkampf ohne Verletzungen hervorzugehen. Ein Schnitttest an einem Stück Fleisch verdeutlichte nochmals wie ein Schnitt mit einem „kleinen Klappmesserlein“, knapp 8 cm Klinge, schon tiefe Wunden verursacht. Nach der ersten praktischen Einheit, welche Sensei-ho Timo Gartner leitete, hielt der Referent Markus Krautz einen Vortrag über Notwehrgesetz und Waffenrecht.
So konnte sich jeder Teilnehmer auch rechtlich mit der Thematik auseinandersetzen.
Nach einer weiteren praktischen Einheit, ich welcher typische Messerangriffe behandelt und trainiert wurden, stellte Sensei-ho Timo Gartner, der sich schon seit mehreren Jahren mit dem Messer beschäftigt, die drei verschiedenen Messer-Kategorien vor: Gebrauchsmesser, Kampfmesser und Jagdmesser. Da wir zu jeder Kategorie ein entsprechendes Messer begutachten durften, wurde die Thematik im wahrsten Sinne des Wortes, greifbar.
Weiter ging es mit dem traditionellen Training, bei welchem das Messer natürlich auch seinen Gebrauch findet. Mit Bokken (Holzschwert) und Messer zu trainieren war hochinteressant, da es sich aufgrund des Längenunterschiedes schwer erwies, sich mit einem Messer gegen einen Schwertangriff zu verteidigen.
Es galt die Distanz zum Angreifer schnell zu überbrücken, den Angriff währenddessen abzuwehren und ihn mit einem gezielten Stich des Messers kampfunfähig zu machen.
Jeder Teilnehmer durfte sein metallenes Übungsmesser nach diesem Lehrgang behalten um sich weiterhin auf diesem Gebiet zu üben. Nach dem Lehrgang war allen klar, dass ein effektives und anwendbares Training nur möglich ist, wenn man sich der Härte dieser Waffe und der Brutalität mit der sie heutzutage leider von vielen genutzt wird, bewusst ist. Alle Teilnehmer waren sich einig, dass sie selten in so kurzer Zeit so tief in eine Thematik eingeführt worden waren,
auch wenn Sensei-ho Timo deutlich sagte, dass der Lehrgang nur ein Anriss des „Mythos Messer“ war.
Gegen 17.00 Uhr endete der Lehrgang und alle machten sich auf zum gemeinsamen Schnitzelessen um den Tag ausklingen zu lassen. Dieser war nicht nur körperlich anstrengend sondern konfrontierte alle mit einem Teil der Realität welcher uns einige Male schlucken ließ, denkt man an die betretene Stille, die beim Betrachten der Wundbilder herrschte.
Zuletzt noch Eindrücke einiger Teilnehmer:
Manuel Huck, 1. Dan: „Ich habe elementare Prinzipien gelernt, welche sich vom traditionellen auf den modernen Kampf und die Realität übertragen lassen.“
Ingolf Vogel, 7. Kyu: „Der Lehrgang war sehr realistisch. Die Bilder haben mich geschockt und mir bewusst gemacht, wie gefährlich ein Messer sein kann.“
Max Christensen, 4.Kyu: „Der Lehrgang war sehr intensiv, lehrreich und anstrengend. Alles in allem eine tolle Bereicherung.“
Manuel Griebel, 6. Kyu: „Es war ein sehr vielseitiger Lehrgang, der die Ernsthaftigkeit des Themas verdeutlicht hat.“
