Es gab und gibt in Japan verschiedene traditionelle Zweige der Kunst. Dies sind zum einen die Kalligraphie, die Tuschmalerei, die Keramik und die Lackkunst. Des weiteren die Schnitzkunst, ohne deren aufwendig verzierte Skulpturen die japanischen Tempel kaum denkbar wären und die Schmiedekunst, hier insbesondere die Schwertschmiedekunst, welche jedoch gesondert behandelt werden soll. Die japanische Kunstszene vereint alle bekannten Stile und Techniken bei den drei Traditionskünsten Kalligraphie, Keramik und Tuschmalerei (Pohl, S. 261). Die Tuschmalerei ist bei vergleichender Betrachtung prinzipiell der Kalligraphie sehr ähnlich, da jeweils die gleiche oder zumindest ähnliche Technik verwendet wird (Kato, S.94 ff.). Tuschmalerei dient zur Darstellung von einfachen Landschaftsmotiven, Kalligraphie zur Wiedergabe von Schriftzeichen. Bei Shiboku- Kalligraphien/ Tuschmalereien werde hier statt eines Pinsels die Finger verwendet. Die Lackkunst lieferte Japan als typische „angewandte Kunst“
vor allem bei einer Vielzahl von Objekten wie Reliefs, Essstäbchen, Schalen, Möbel, und ähnlichem zahlreiche neue Impulse (Pohl, S.266). Auch ist die Lackkunst innerhalb der japanischen Kunst von der eher starren Edo- Zeit, bis hin zu westlich orientierten Anwendungen der Meiji- Zeit, wie auch der Gegenwart einer großen Entwicklung unterworfen. Prinzipiell ist japanische Kunst nahezu immer auf eine direkte oder indirekte Anwendung bezogen, das heißt im Gegensatz zum unberührten Meisenporzellan im Schrank der Europäschen Großmutter, wird aus der edlen, vom japanischen Großvater geerbten Teeschale auch getrunken. Aufgrund dieser Anwendbarkeit oder auch Vergänglichkeit bei manchen Formen der Kunst verschwimmen in Japan zeitweise Kunst und Kultur. Ein Beispiel sei das kunstvoll arrangierte Essen, welches schon bei seiner Erschaffung das Schicksal der Zerstörung im
Magen eines Gourmet hat. Ebenfalls vergängliche Kunst oder auch Kunst, bzw. Kulturgut für den Augenblick, ist wohl das Noh- Theater, eine Urform des Tanztheaters, bei welchem die Darsteller hinter Masken alte Legenden und Mythen Japans in langsamen Bewegungen wiedergeben (Pohl, S. 273). Auch hat japanische Kunst nicht den Anspruch der Vollkommenheit im Sinne von Makellosigkeit, wie es oftmals in Europa interpretiert würde. So hatten in der Kunst der Keramik Teeschalen oft eine bewusst unregelmäßige Form. Diese war ein Merkmal des schöpferischen Ausdrucks des Künstlers beim Töpfern (Kato, S. 140ff.) Die möglicherweise wichtigste japanische Kunst (oder auch Kulturgut) ist jedoch die Teezeremonie. Sie gilt als ein Gesamtkunstwerk, da sie nahezu alle traditionellen Künste in sich vereint. Zunächst betrachten die Gäste ein Rollbild in einer Wandnische, dies beinhaltetet Kalligraphie und/ oder Tuschmalerei. Vor der besagten Wandnische steht dann zumeist ein Blumengesteck in einem Gefäß, dieses repräsentiert Japans älteste Kunst, die Keramik. Die Teegerätschaften sind dann mit der Lackkunst präpariert. Während des Tees blickt man schließlich in den Garten, welcher ebenfalls als Gesamtkunstwerk gesehen wird (Pohl, S. 268).