Was ist Aikido?
Im philosophischen System des Begründers Morihei Ueshiba ist Aikido ein Mittel, die Menschheit zu einer "Weltfamilie" zu vereinen.
Es ist kein Mittel, andere zu verletzen, sondern eher ein Weg zu einem "liebenden Selbstschutz". Die Betonung von Aikido liegt aufdem geistigen Wachstum des Einzelnen durch das Erwerben von Fertigkeiten, die der Verteidigung dienen. Die ethische Dimension des Aikido durchdringt jeden Aspekt seiner Ausübung sowohl auf der Matte als auch im täglichen Leben. Wenn der Aikido-Übende einer körperlichen Bedrohung ausgesetzt ist, wendet er im Idealfall nur soviel physischeKraft an, wie nötig ist, den Angriff zu neutralisieren und versucht gleichzeitig, den Angreifer nicht zu verletzen. Tatsächlich streben ernsthafte Aikidoanhänger sogar nach einer höheren Stufe. Sie versuchen, ihr Leben so zu führen, dass sie unter allen Umständen Konfliktsituationen und potenzielle Gewalt - sei es auf zwischenmenschlicher, gesellschaftlicher oder jeder anderen Ebene - spüren.
O-Sensei Morihei Ueshiba
O-Sensei Morihei Ueshiba wurde am 14. Dezember 1883 in Tanabe, Präfektur Wakayama, Japan, geboren. Er entstammte einer
Samuraifamilie, deren Geschichte sich bis in das 17.Jahrhundert zurückverfolgen lässt. In frühester Kindheit wurde er schon im Geiste des Buddhismus und nach den Regeln des Bushido erzogen. Im Alter von 18 Jahren unterzog er sich einem strengen körperlichen Training und studierte unter Anleitung berühmter Lehrer verschiedene Stilrichtungen des Jiu-Jitsu und der Schwertkunst. Im Jahre 1911 fand eine bedeutsame Begegnung mit dem Meister Sokaku Takeda statt. Dieser Lehrer unterrichtete die schon seit dem 11. Jahrhundert bestehende Daito-Methode (Daito-Ryu). Aus diesem Daito-Ryu sollte sich später das Aiki-Jitsu entwickeln.
Der Unterschied von Aikido zu anderen Kampfsportarten
Von auffälligen Unterschieden in der Technik abgesehen, wird Aikido dadurch einzigartig, dass es eine reine Selbstverteidigung ist. Im Aikido gibt es keine Angriffsbewegungen, was die philosophischen und ethischen Prinzipien dieser Kampfkunst widerspiegelt. Andere Kampfsysteme umfassen gleichermaßen Angriffs- und Verteidigungstechniken, und bei vielen von ihnen überwiegt mittlerweile der sportliche Aspekt.
Die weltweite Verbreitung des Aikido begann erst nach dem 2. Weltkrieg
Die Art und Weise, wie Aikido heute ausgeführt wird, geht eher auf die Interpretation früherer Lehrer wie Gozo Shioda, Koichi Tohei, Kisshomaru Ueshiba, Kenji Tomiki und Minoru Mochizuki - alles langjährige Schüler von Ueshiba - als auf den Begründer selbst
zurück. Von den frühen 50er bis Ende der 60er Jahre brachten diese bekannten Lehrer verstärkt eigene Abwandlungen in das Aikido ein. Diese abgeleiteten Stilrichtungen bildeten mit der Zeit unverwechselbare Merkmale aus. Diese Entwicklung ist hauptsächlich historisch begründet und lässt sich teilweise durch die Ereignisse des 2. Weltkrieges, die lange Phase der Zurückgezogenheit des Begründers in Iwama, sein fortgeschrittenes Alter, als Aikido bekannt wurde, und sein wenig ausgeprägtes Interesse für organisatorische und verwaltende Tätigkeiten erklären. Mitte der 70er Jahre gewann die Lehrmethode des Morihiro Saito zunehmend an Popularität, was vor allem auf seine fünfbändige Fachbuchausgabe "Traditional Aikido“ und seine regelmäßigen Auslandsreisen zurückgeführt werden kann. Saitos Erfolg kann - wie der einiger Lehrer vor ihm - seiner technischen Kompetenz und didaktischen Lehrmethode zugerechnet werden.
Das Takemusu Aikido
Saito hatte das Glück, länger als jeder andere - sowohl vor als auch nach dem Krieg - direkt bei dem Begründer zu trainieren. Was Saitos Lehrmethode von denen seiner Vorgänger unterscheidet, ist die Betonung auf taijutsu (Körpertechniken) und Aikido-Waffentechniken mit ken (Schwert) und jo (Stab).
Es gibt mehrere Gründe, warum diese Waffentechniken nicht allgemein geübt werden. Nur wenige durften mit dem Begründer Morihei Ueshiba Waffen trainieren, daher ist die Zahl der Lehrer, die diese Techniken weitergeben können, begrenzt. Saito erwarb die vollkommene Beherrschung der Waffen in langen Jahren des Trainings mit dem Begründer in Iwama und durch seine ständigen Bemühungen in der Folgezeit, die Techniken zu verfeinern. Seine Techniken wurden praktisch in der ganzen Welt zum Standard für Aikido-Waffenübungen. Das Üben von aiki-ken und aiki-jo führt zu einem besseren Verständnis von Distanz, Stellung und Zentrum. Es hilft bei der Entwicklung einer guten Körperhaltung und stärkt Arme und Schulten, was wiederum bei der Ausführung von Körpertechniken hilfreich ist. Das Waffentraining bildet einen wesentlichen und unabdingbaren Teil von Saitos Lehrplan und ergänzt die Körpertechniken perfekt.
Morihiro Saito starb 2002
Morihiro Saito, 9. Dan, war langjähriger Lehrer im Aikikai; einer der wenigen, die diesen angesehenen Rang besitzen. Er trainierte und lehrte fast 50 Jahre im Iwama Dojo des Begründers, wo er sich als Jugendlicher eingeschrieben hatte. Seit den frühen 70er Jahren hat er buchstäblich Tausende von überwiegend ausländischen Schülern beherbergt, von denen manche wenige Tage, andere mehrere Jahre in einem der letzten traditionellen Dojos Japans trainiert haben. Was das Iwama Dojo des Morihiro Saito einzigartig machte, ist die hervorragende Verbindung von Tradition und Moderne: ein abgeschiedener Ort bildet den Rahmen für intensives Training, das auf einem sorgfältig abgestimmten Lehrplan und zeitgemäßen Lehrmethoden aufbaut.
Tatsu-Ryu-Aiki
Sensei Michael Rosenthal trainiert seit 1982 Aikido. Er hatte in dieser Zeit etliche Lehrer kennen gelernt, war aber von Saito Sensei am meisten beeindruckt. Fortan orientierte er sich an ihm.
Saitos Takemusu Aiki ,sowie die Methodik des Unterrichtes und nicht
zuletzt die Persönlichkeit von Saito Sensei führten dazu, dass er ihn 17 Jahre, bis zu dessen Tod im Jahre 2002, auf viele Internationalen Lehrgängen begleitete und von ihm unterrichtet und graduiert wurde. Um Takemusu Aiki unterrichten zu können, gründete er 1989 das Takemusu Aiki Dojo Ludwigshafen, das er bis zu Saitos Tot 2002 leitete.
Jedoch waren nach dem Tod von Morihiro Saito im Jahr 2002 keine bestehenden Strukturen vorhanden, das „Takamusu Aiki“ einheitlich weiterzuführen. Trotz einiger Verbände, die sich in Deutschland danach bildeten, konnte sich Sensei Michael Rosenthal nicht fest an einen von diesen verpflichten. So entschied er sich im Dezember 2007 seine Wurzeln im „Takemusu Aiki“ und seiner langjährigen Erfahrung im Unterrichten als freies Aikido unter der Schule „Tatsu-Ryu-Aiki“ weiter zu lehren. Es zeichnet sich unter der Anwendung realistischer Bewegungsabläufe und harter Form aus.
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Tai-Jutsu = waffenlose Techniken
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Aiki-Jo = Techniken mit dem Stock
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Aiki-Ken = Techniken mit dem Bokken
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Ken-Tai-Jo = Patnerübungen mit Bokken und Jo
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Jo-Dori = Abnehmen eines Jo
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Jo-Nage = Werfen mit dem Jo
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Tachi-Dori = Abnehmen eines Schwertes
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Awaza = Techniken in Bewegung ausführen
Wenn spricht Aikido heute an
Da sich die Aikido Ziele von vielen anderen Kampfkünsten unterscheiden, zieht Aikido eher Menschen an, die sich für seine Prinzipien harmonischer Wechselwirkungen interessieren. Diejenigen, denen vorrangiges Interesse darin liegt, kämpferische Fähigkeiten zur Anwendung auf der Straße oder in sportlichen Wettbewerb zu erlangen, tendieren eher zu anderen Kampfkünsten. Es wäre allerdings falsch, Aikido-Techniken als unwirksam einzustufen. Wird es in der Tradition des Begründers Morihei Ueshiba ausgeführt, behält Aikido eine ausgeprägte kämpferische Dimension. Die Techniken werden bestimmt, aber ohne gewaltsame Absichten ausgeführt. Äußerst wirksame Hebel und Festhaltegriffe kontrollieren und lähmen den Gegner, ohne bleibende Verletzungen zu verursachen. Tatsächlich ist man mit Aikido-Techniken in der Lage, ernsthafte körperliche Schäden zu vermeiden, oder sogar den Tod des Gegners herbeizuführen. Die Grundsätze des Aikido schließen solch zerstörerisches Verhalten aus.