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Zen - Die Wegeslehre
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Was ist Zen?
Zen ist eine besondere Form des Buddhismus, die sich in China im achten Jahrhundert nach Christus entwickelt hat. Seine Zen-Garten in KyotoUrsprünge sind allerdings weitaus älter: Es nahm mit der Ankunft Bodhi-Dharmas aus Südindien in China aus in der ersten Hälfte des sechsten Jahrhunderts nach Christus seinen Anfang. Der Inhalt des Zen ist kein anderer als die Predigt Buddhas. Zen macht vielmehr den Versuch, den wesentlichen Sinn der Buddha-Lehre den Menschen zu öffnen, indem es alles Oberflächliche, das sich um die Lehre des Meisters während ihrer Fortentwicklung in Indien, Zentral-Asien und China angehäuft hat, beiseite schiebt. Zen verlangt, daß wir unmittelbar den Geist Buddhas erfassen [D.T. Suzuki, S. 22]. Zen ist die Bejahung der Wirklichkeit alles Erscheinenden, und doch zugleich der Leere. Es behauptet die Nicht-Existenz des Ichs, wie auch der ganzen Erscheinungswelt, betont aber zugleich die innere Einheit der Schöpfung: Ein scheinbarer Widerspruch, dessen Lösung nicht gedacht, sondern nur erlebt werden kann. Zen ist antilogisch, das heißt es fordert die Überwindung des logischen und unterscheidenden Denkens (z.B. Ich-Du, Mann-Frau, Gut-Schlecht) durch ein immer neues Erlebnis, das weder beschrieben noch gedeutet, sondern nur erfahrenZen-Garten in Kyoto werden kann. Der Durchbruch diesen Erlebens heißt Satori (Erleuchtung). Um zu Satori zu gelangen, müssen erst alle Schranken des Verstandes überwunden und der Geist von jeglichen Gedanken befreit werden. Alle Worte, die Zen-Meister gebrauchen, alle Denkübungen und unlösbaren Fragen, die sie ihren Schülern aufgeben, all die scheinbar sinnlosen Anekdoten und erstaunlichen Paradoxe, die als Offenbarung tiefster Weisheit von ihnen berichtet werden, sind nichts als Hinweise und Andeutungen, die den Geist weich und flüssig machen sollen., so daß er fähig wird, sich selber umzukehren oder aufzuheben. Damit sollen alle Schleier und Hemmungen des Gefühls hinweggeräumt werden, damit sich der Geist in die innerste Vereinigung, die tiefste Erkenntnis und die höchste Erfüllung ergießt [D.T. Suzuki, S.12ff].

Zen-Garten in KyotoZen in Japan
Der Priester Eisai bringt Zen im 12. Jahrhundert nach Japan. Besonders in Kyoto hatten sich dort bereits verschiedene Strömungen buddhistischer Schulen gebildet. Durch japanische Philosophen wie beispielsweise Tokimune verbreitet sich die neue Richtung schnell in ganz Japan, vermischt sich mit der ursprünglichen japanischen Naturreligion, dem Shintoismus, und findet Einzug in die japanische Denkweise, Kultur, Kunst, und sogar das Alltagsleben. So bildet Zen die Grundlage der japanischen Teezeremonie und der japanischen Kampfkünste [D.T. Suzuki, S.23, S.249ff].

Zen in den Kampfkünsten
Trotz der eigentlich gewalttätigen Profession der japanischen Krieger, der Samurai, fällt gerade in diesem Stand die Philosophie des Zen auf fruchtbaren Boden. Dies ist gar nicht so verwunderlich, wie es zunächst den Anschein haben mag, teilen sich doch Zen und Kampfkunst zahlreiche Aspekte: Das Ablegen der Angst vor Leben und Tod, die Beseitigung emotionaler Hemmnisse, Entschlossenheit und Zielstrebigkeit sind Tugenden, die im Bushido, dem Ehrenkodex der Samurai, fest verankert sind und ursprünglich aus der Philosophie des Zen stammen. So haben die Samurai einerseits die Zen-Meditation als moralischen unZen-Garten in Kyotod geistigen Ausgleich zu Leibesübungen und Kampf entdeckt, andererseits haben sie gelernt, das Kämpfen als solches weniger als reales Ereignis als vielmehr eine spirituelle Erfahrung zu erleben [D.T. Suzuki, S. 23, S. 249ff]. Der berühmte Samurai Miyamoto Musashi läßt in seinem Buch der fünf Ringe, einem Werk über die Kampfkunst, auch unzweifelhaft Einflüsse aus dem Zen erkennen. So ist für ihn die Perfektion der Kampfkunst letztendlich eine Geistesverfassung, in der scheinbar widersprüchliche Elemente (Erde, Feuer, Wasser, Luft) zu einem neuen Element, der Leere, kombiniert werden müssen. Auch wenn die körperliche Verfassung und die Techniken wichtig sind, so sind sie dennoch zweitrangig, da sie bewußt und kalkuliert angeeignet wurden. Um zur Perfektion zu gelangen ist es allerdings notwendig, einen Geist in vollkommener und fließender Beweglichkeit zu besitzen, um blitzschnell reagieren zu können, Techniken spontan und ohne zu überlegen einzusetzen, und einen Kampf ohne Angst und Emotionen bestehen zu können [D.T. Suzuki, S. 23, M. Musashi].

Zen heute
In der Mitte des 20. Jahrhunderts beginnt der weltweite Siegeszug des Zen: Besonders in den 68er- und New-Age-Bewegungen wird bewußt ein Gegenstück zur konservativen, technisch-rationellen westlichen Weltanschauung gesucht und im Zen gefunden. Doch nicht nur philosophische Inhalte, auch Techniken wie Yoga und Meditation, tiefenpsychologische und medizinische Erkenntnisse und nicht zuletzt asiatische Kampfkünste finden im Westen immer mehr Anklang. Auch in Japan selbst wird die Philosophie des Zen erstmals reflektiert und kritisch betrachtet. Es entwickeln sich neue  Ansätze, die eine Synthese aus traditioneller fernöstlicher und westlicher Philosophie anstreben [H. Moulin, S. 7ff].

 
Autor: René Schaal (mit freundlichem Dank an Andreas Gössel)
Bilder: Tatsu-Ryu-Bushido – Canon EOS 350 D
Erstellt am: 17.01.2008
Quellen:
D.T. Suzuki, „Zen und die Kultur Japans“, O.W Barth Verlag, 1994
M. Musashi, „Das Buch der fünf Ringe“, Phänomen Verlag, 2007
H. Dumoulin, „Zen im 20. Jahrhundert“, Küssel Verlag, 1990
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